Von Christophstalern und Hirschgulden

Die Münzstätte Christophstal wurde in den Jahren 1603 bis 1611 und 1622 bis 1628 betrieben. Zu dieser Zeit hat man Münzen noch mit Hammerkraft geprägt oder „geschlagen“. ­Zuerst mussten die in der Silberschmelze gegossenen Silberbarren zu Streifen­ ausgeschmiedet, „gestreckt“ werden. Aus diesen „Zainen“ wurden dann Schrötlinge ausgeschnitten und daraus in der Münze das eigentliche Nominal geprägt.
Von den zwei erforderlichen Prägestempeln war der Unterstempel fest in einen Holzstock eingelassen. Auf den wurde der zu prägende Schrötling aufgelegt, der Oberstempel lose mit der Hand aufgesetzt und durch einen oder mehrere kräftige Hammerschläge in die Münze getrieben. Auf die Münzstätte Christophstal verweisen die Buchstaben „C“, „CT“ oder „F“, während herzogliche Münzen aus Stuttgart mit „S“ und aus Tübingen mit „T“ gekennzeichnet sind.
Nach elfjähriger Prägepause ließ der württem­bergische Herzog ­Johann Friedrich 1622 die Münzstätte Christophstal wieder eröffnen und dort – wie auch in Stuttgart und Tübingen – in den Jahren 1622 und 1623 sogenannte „Kippermünzen“ herstellen *). Deren Nominalwert war deutlich höher angesetzt als der Realwert, also der Edelmetall­wert. Geprägt wurden halbe und ganze „Hirschgulden“ zu 30 und 60 Kreuzern mit der Darstellung ­eines ­liegenden Hirsches auf dem Revers (Rückseite). Der Avers (Vorderseite) zeigt das Wappen Württem­bergs: drei Hirschstangen als Stamm­wappen von Württemberg, die Rauten des ausgestorbenen Hauses Teck, die Reichs­sturmfahne sowie die Fische der durch Heirat im 15. Jahrhundert gewonnenen französischen Grafschaft Mömpelgard (Montbeliard).

*) Als „Kipper- und Wipperzeit“ bezeichnet man die Inflation des frühen 17. Jahrhunderts (1619 – 1623). Der Name leitet sich von den als „Geldkippen“ bezeichneten handlichen und weit­verbreiteten Schnellwaagen ab. Ursachen für die Inflation sind Faktoren wie der Rückgang des deutschen Silberabbaus sowie der Bedarf nach Geld infolge einer wirtschaftlichen Expansion. Bei dem gesetzlichen Rahmen der Augsburger Reichs­münzordnung von 1559, die das Gewicht und den Gehalt der Reichsmünzen bestimmte, waren die hohen Herstellungs­kosten der Kleinmünz­prägung nicht ausreichend berücksichtigt. Dadurch war die Prägung der mittleren und kleineren Werte wie Groschen, Schillinge, Batzen, Kreuzer, Pfennige und Heller nicht mehr rentabel. Um durch die Prägung der Kleinmünzen keinen Verlust zu erleiden, wurde das Silbergewicht der Kleinmünzen verringert.

Die Christophstaler Münze stand auf dem Werkplatz Oberer Zainhammer und Feilenhauerei Bührle.

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Bildnachweis: Jürgen Schnurr