Autofahren stand einst für Freiheit pur – die Älteren unter uns erinnern sich. Kaum 18 geworden, waren Führerschein und rollende Rostlaube ein absolutes Muss für die Jugend. Wie diese Freiheit wohl in der Zukunft aussehen wird?
Das Auto ist nachhaltig in Verruf geraten. Angeheizt von Dieselskandal und Klimakrise, Fridays for Future und einem möglichen „Verbrenneraus“ ist die Frage, wie wir uns morgen fortbewegen wollen, für viele Menschen zur Glaubensfrage geworden. Und zur Streitfrage: Ist eine Welt ganz ohne eigenes Automobil nicht eher ein Alptraum?
Nach wie vor ist ja das Autofahren die einzig wahre Reiseform für Individualisten. Kein stressiges Gedränge im Bus, keine Parfümwolken in der U-Bahn – und der Autobesitzer kann sich völlig frei für Zeitpunkt, Ziel und Route seiner Fahrt entscheiden. Er muss nicht reservieren, darf sich seine Sitznachbarn meist aussuchen und kann das rollende Gehäuse mit Duftbäumchen, handbestickten Plüschkissen und was weiß ich noch allem ausstatten. Das ist Freiheit pur – probier das mal einer in der Trambahn!
So weit die Theorie. Manche von uns kennen dieses Gefühl zwar noch aus eigener Anschauung, Jüngere aber meist nur aus einschlägigen Road Movies mit Kino-Legenden wie James Dean: Schlüssel umdrehen, den Big Block bollern lassen – und einfach raus auf die Straße. Irgendwohin, wo die Welt nach Benzin und Gummi riecht, wo echte Kerle und qualmende Reifen noch was gelten. Aber wo ist das in diesen Zeiten?
Bei aktuell knapp 1,5 Milliarden Autos weltweit – laut neuesten Studien sogar 2,7 Milliarden bis 2050 – bleibt ja gern mal das Persönliche auf der Strecke. Selbst in Großstädten wie Berlin oder München, wo die Menschen bekanntermaßen weniger eigene Autos besitzen als anderswo, sind zu viele davon unterwegs, sofern nicht gerade Lockdown herrscht. Dazu kommen Baustellen und Verkehrsstaus, Umweltzonen und Tempo-30-Schilder. Endlich am Ziel, sind alle Parkplätze belegt.
Ein Bursche wie James Dean wäre fassungslos: So sieht automobile Freiheit heute aus? Wo ist es nur geblieben, dieses erhebende Kribbeln beim Überholen auf der Landstraße, direkt vor einer Kuppe? Alles was Spaß macht, ist passé – dann doch lieber gleich im Home Office bleiben, oder?
Nur keine Panik! Es wird sie auch in Zukunft geben, diese ganz privaten automobilen Freiräume. Frühmorgens, wenn alle anderen durch verkehrsberuhigte Straßen joggen und ihre Lungen mit abgasfreier Stadtluft füllen, rollt der Individualist von morgen im Elektro-Mobil einfach zur Autowaschanlage seines Vertrauens. Dort nämlich kann er noch das volle Programm erleben – einschließlich Vorwäsche, Unterbodenreinigung und Lackversiegelung. Er fläzt sich hinters Lenkrad und öffnet den Sicherheitsgurt, füttert sein Navi mit „Los Angeles, California, Sunset Boulevard“ und dreht „Highway to Hell“ auf, bis die Baseballkappe flattert.
Ganz harte Knochen kurbeln die Scheiben runter.
